Zusammenfassung
Definition und Ausgangslage
Die Toxikologie ist
ein multidisziplinäres Wissenschaftsgebiet, welches die
schädlichen Wirkungen von exogenen und endogenen Faktoren
auf biologische Systeme untersucht. Das Ziel ist der Schutz von
Organismen, Tieren und Menschen, sowie der Umwelt. Toxikologische
Untersuchungen bilden die wissenschaftliche Grundlage zum Verständnis
und zur Beurteilung von toxischen Wirkungen. Auf diese Weise
liefern sie Erkenntnisse für Regierungsstellen zur Festlegung
von Sicherheits- und Expositionsgrenzen.
Zusätzlich zum Schutz der Volksgesundheit und der Umwelt wird die Toxikologie
immer wichtiger für die Beurteilung und Auswahl neuer Technologien. Toxikologie
ist ein entscheidender Aspekt mit rationaler und wissenschaftlicher Basis zur
Beurteilung von Vorteilen und Risiken neuer Produkte, welche aus der Biotechnologie
und dem „Bioengineering" kommen. Vertieftes Verständnis, sowie Hoffnungen
und Ängste des Publikums hängen in grossem Ausmass von der toxikologischen
Expertise ab.
Die Schweiz gehört weltweit zu den führenden Nationen bezüglich
Erforschung, Entwicklung und auch der Herstellung von neuen Arzneimitteln.
Ebenso spielt die Schweiz eine wichtige Rolle für auf chemische Produkte. Ähnlich
wichtig ist für die Schweizer Wirtschaft die Nahrungsmittelherstellung.
Um diese Führungsrolle zu verteidigen, braucht die Schweizer Industrie
hochqualifiziertes Personal in chemischen und biologischen Fachgebieten, einschliesslich
der Toxikologie, um Grundlagenaspekte sowie Entwicklungsprozesse abzudecken.
Akademisch ausgebildete Toxikologen sind unabdingbar für die Sicherheits-
und Risikobeurteilung. Aus diesem Grunde müssen akademische Institutionen
die Ausbildung von Toxikologen mit einem adäquaten Ausbildungsgang ermöglichen.
Ausgangspunkt des Berichtes
Das Schweizerische Institut für Toxikologie in Schwerzenbach, eine
akademische Institution welche gemeinsam von der Universität Zürich
und von der ETH getragen werden, bildet seit 20 Jahren das toxikologische Zentrum
in der Schweiz. In diesem Institut werden Grundlagen erforscht. Vor allem aber
führen seine drei Abteilungen angewandte Forschung durch und gewährleisten
Expertisen und Ausbildung. Es wurde in der letzten Zeit bemängelt, dass
die Aktivitäten den raschen Änderungen sowohl in der biologischen
und medizinischen Forschung, als auch in der Technologie in der letzten Zeit
ungenügend angepasst wurden, weshalb die Aktivitäten im Jahre 2001
eingestellt werden sollen.
Unter diesem Gesichtspunkt hat die Schweizerische Gesellschaft für Pharmakologie
und Toxikologie den Entschluss gefasst, den aktuellen Status der Toxikologie
in der Schweiz zu erfassen. Die Schweizerische Akademie für Naturwissenschaften
und diejenige für Medizin haben diese Studie ideell und finanziell unterstützt;
und der Schweizer Wissenschaftsrat wurde bei verschiedenen Gelegenheiten
konsultiert.
Anfangs 1998 wurde ein Fragebogen an mehr als 100 ausgewählte Personen
verschickt, die sich aktiv mit der Toxikologie beschäftigen, und die 48
retournierten Fragebogen wurden als Grundlage für diesen Bericht verwendet.
Zusätzlich wurden Gruppenhearings und Meetings mit Wissenschaftern in
Basel, Genf, Lausanne und Zürich abgehalten. Daneben wurde das Schweizerische
Berufsregister für Toxikologie, ein Schweizerisches Nachdiplom für
praktizierende Toxikologen, eine Website der Sektion für Toxikologie der
SGPT, und das lokale „Forschungszentrum für Fremdstoffe und Umweltrisiken" geschaffen.
Resultate
Die Studie zeigt, dass über 900 Personen auf verschiedenen Gebieten der
Toxikologie in der Schweiz tätig sind; 1/3 von ihnen hat eine akademische
und 2/3 eine technische Ausbildung absolviert. Die wichtigsten Auftraggeber
der Toxikologen in abnehmender Reihenfolge sind: Industrie, Universitäten
oder staatliche technische Institute (ETHZ/EPFL), und Regierungsstellen. Die
aktuellen Aktivitäten der Toxikologen umfassen ein breites Gebiet, das
von Grundlagenforschung bis zur Arbeits-, Gerichts- und Präventivmedizin
reicht. Bezüglich akademischer Forschung und Ausbildung ist Zürich
der Schwerpunkt, gefolgt von Lausanne, Genf, Basel und Bern. Industrie- und
Ernährungstoxikologie konzentrieren sich innerhalb der multinationalen
Gesellschaften jeweils in der Umgebung von Basel und Lausanne. Als Auskunftsstelle
bei akuten und chronischen Fällen von Vergiftung und klinischer Toxikologie
bietet das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum (STIZ) in Zürich
seine Dienstleistungen an. Dieses Zentrum arbeitet eng zusammen mit den klinischen
Abteilungen des Universitätsspitals in Zürich.
Folgende Ergebnisse und Schwachpunkte wurden in dieser Studie aufgezeigt:
- Fehlende Koordination und Kommunikation innerhalb
der verschiedenen Zentren wurden in den meisten
Fragebögen sowie an Hearings bemängelt. Diese
Zentren, die in der toxikologisch orientierten Forschung involviert sind, betreffen
den akademischen, industriellen, Regierungs- und öffentlichen Sektor.
Die Situation wird sich durch die Schliessung des Schweizerischen Toxikologischen
Instituts in Schwerzenbach im Jahre 2001 noch verschärfen.
- Der fehlende Informationsfluss zwischen der Toxikologie und der Öffentlichkeit
wurde bemängelt.
- Ein dringender Bedarf zu vermehrter Forschung und Ausbildung in allen Gebieten
der Toxikologie wurde von allen Toxikologen unterstrichen.
- Ein sich abzeichnender potentieller Verlust von toxikologischen Dienstleistungen
wurde von Spezialisten in Regierungsstellen angesprochen.
Empfehlungen
Aufgrund der vorliegenden Studie werden folgende
Vorschläge zur Verbesserung
der Forschung in der Grundlagen- und angewandten Toxikologie und Ausbildung
in der Schweiz formuliert:
Forschung
- erhöhte Aktivität und Unterstützung
auf dem Gebiet der biologischen und medizinischen
Wirkungen durch Fremdstoffe (Grundlagen- und Oekotoxikologie)
- verstärkte Aktivität und Unterstützung bei Untersuchungen
zur Sicherheit im Zusammenhang mit neuen Technologien im Gesundheitswesen
und der Umwelt
- Koordination der multidisziplinären toxikologischen Forschungsaktivitäten
in der ganzen Schweiz
- verstärkte Mitarbeit zwischen Grundlagenforschung und angewandter/
problembezogener Untersuchungen
- Bereitstellung zusätzlicher Mittel für existierende Labors durch
die Vermittlung von toxikologischen Dienstleistungen
- Vergleich mit toxikologischen Forschungstätigkeiten in anderen Ländern
Ausbildung
- Koordination mit den lokal existierenden Ausbildungszentren zur Sicherstellung
von Diplom- und Nachdiplomstudien, Seminaren und Weiterbildung auf allen Gebieten
der Toxikologie
- Mitwirkung an toxikologischen Ausbildungsprogrammen in Europa, US und Japan.
Um die obigen Vorschläge in Aktivitäten umzusetzen, schlagen wir
die Schaffung eines Schweizerischen Netzwerkes mit dem Namen SWISSTOX vor,
dass die folgenden Ziele und Aufgaben hat:
- Zusammenarbeit :
Sicherstellen des Informationsaustausches und Anpacken gemeinsamer Projekte
zwischen den Universitäten, Schweizerischen
Technischen Hochschulen, der Industrie und den Regierungsstellen in allen
Bereichen der modernen toxikologischen Forschung.
- Ausbildung: Ausarbeitung adäquater integrierter Trainings- programme
für Toxikologen und Ermöglichung einer Ausbildung zum Toxikologen
(PhD).
- Dienstleistungen: Durchführung spezifisch angewandter / problemorientierter
toxikologischer Untersuchungen und Bereitstellung aktueller toxikologischer
Daten für Regierungsstellen und Industrie.
- Öffentlichkeitsarbeit: Information der Öffentlichkeit über
neue Entwicklungen in toxikologischen Fragen und Bereitstellen einer Broschüre über
Toxikologie.
- Internationale Beziehungen: Ausweitung der Verbindungen
mit toxikologischen Zentren und internationalen Gesellschaften in anderen
Ländern.
Um diese Empfehlungen durchzusetzen, sollte eine Nachstudiengruppe gebildet
werden. Diese wird einen Vorschlag betreffend Struktur, Finanzierung, Zeitrahmen
und die Aufgabe des vorgeschlagenen SWISSTOX Netzwerkes ausarbeiten.
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